Kameraden versammelten sich um das Gipfelkreuz

Im Zuge der Aktion „Gedenken an 1915–2015 “ des BTSK von den Schützenkompanien Tramin, Kronmetz und Zirl ein Standschützen-Gedenkkreuz auf dem Tonalegipfel aufgestellt. Nach Beendigung aller Arbeiten versammeln sich ca. 50 Schützen und Marketenderinnen der 3 Kompanien um das neue Standschützenkreuz und Kamerad Suitner Pepi von der Schützenkompanie Zirl spricht zu den Teilnehmern:

Liebe Marketenderinnen und Schützenkameraden!
Unser Werk ist jetzt vollbracht! Wir stehen gemeinsam da, vor dem Standschützenkreuz auf dem Tonalegipfel auf 2696 Meter Seehöhe! Dieses Kreuz soll uns an unsere Väter, Großväter, Onkel und Verwandten erinnern, welche als Tiroler Standschützen 1915 zur Verteidigung unserer Heimat hier her ins Hochgebirge ausgerückt sind. Leider hat es am Ende nichts genützt – wir leben seit 96 Jahren in einer geteilten Heimat! Ausgelöst wurde das ganze Übel ja schon 1914 durch den leider teilweise auch heute noch verehrten Habsburgerkaiser Franz Josef, der als Kriegstreiber und als ein Hauptverantwortlicher für den Ausbruch des 1. Weltkrieges gilt. Sein Nachfolger, der Kaiser Karl war auch nicht besser, er hat keinen Frieden gemacht, ist dafür aber von der hl. Kirche Seelig gesprochen worden! Auf dem Punkt wo wir jetzt stehen, genau da war die Tiroler Front und wir sehen hinüber zum Monte Tonale Okzidentale (2694 Meter). Vom Tonalepass herauf, entlang dieses Kammes über den westlichen Tonalegipfel weiter Richtung Ortler, da war seit 1027 die Tiroler Landesgrenze! 1027 hat Kaiser Konrad II. die Grafschaft Trient zu Tirol gegeben und sowohl Trient als auch Brixen zu Fürstbistümern erhoben. Er wollte damit eine Absicherung des strategisch wichtigen Alpenübergangs erreichen. Seit fast 1000 Jahren also haben wir alle zusammen (gemeint: Nord-, Süd- und Welschtirol) eine gemeinsame Tiroler Geschichte!
Wie schwierig diese 3 ½ Jahre Krieg hier heroben entlang der Hochgebirgsfront für unsere Vorfahren gewesen sein muß, das können wir uns ja gar nicht richtig vorstellen! Denkt nur mal an den Winter und die einfache Ausrüstung welche damals zur Verfügung gestanden hat….! Meistens sind die Landesverteidiger hier heroben noch unter Gewehrbeschuss vom Kamm vis à vis gelegen und von Ponte Legno herauf kam Granatfeuer! Die ganzen Löcher in diesem Abhang die wir hier sehen, stammen von Granateinschlägen der italienischen Aggressoren!
Stellt euch mal vor hier heroben über Monate im Winter zu „hausen“! Jeden Bissen Essen, jedes Stückchen Holz, ja gar alles mußte man auf dem Buckel von der Malga Strino (ca. 1600 Meter) über das Lager, heute „citta´ morta“ herauftragen – unvorstellbar!
Wo war denn hier eigentlich genau die Front und welche Standschützen waren wo eingesetzt?

Die Front vom Stilfser Joch bis zum Gardasee war in 4 Abschnitte unterteilt:
Abschnitt Ortler: (hier waren 2 Bataillone stationiert). Der Abschnitt ging vom Stilfser Joch bis da vorne, da ist die Zufallsspitze. Entlang dieser Front waren das Standschützen-Bataillon Prad, Standschützen-Bataillon Schlanders und die Kompanien Stilfs und Taufers stationiert.

Abschnitt Tonale: (6 Bataillone). Die Verbindung über den Tonalepass: aus der Lombardei, über das Sarca-Tal, das Sulztal und weiter über das Etschtal, das Pustertal bis nach Osten zur K&K Hauptstadt wollte der Feind für seinen Einfall nutzen! Der Frontverlauf ging von der Zufallsspitze, über den Monte Vioz, Punta San Matteo (war der westlichste Punkt der Front). Corno die Tre Signori, über unseren Standort hinunter zum Tonalepass und wieder hinauf bis zum Passo Paradiso – da drüben am Beginn des Adamello-Massivs. Stationiert waren hier: Standschützen-Bataillon Cles Standschützen-Bataillon Cuisano Standschützen-Bataillon Innsbruck III / Telfs (heute Hörtenberg – also auch unsere Vorfahren aus Zirl) Standschützen-Bataillon Kaltern II Standschützen-Bataillon Malé Standschützen-Bataillon Ulten und die Standschützen Kompanie Fondo.

Abschnitt Judikarien: 2 Bataillone: Stationiert waren hier: Bataillone Bezau, Klausen und die Kompanie Tione.

Abschnitt Riva: 4 Bataillone Stationiert waren hier: das Standschützenbataillon Kaltern I, Bataillon Bozen, Bataillon Lana, Bataillon Sarnthein und die Kompanien von Riva-Arco.
Vom Stilfser Joch bis zum Gardasee waren außer den genannten Standschützenbataillonen und Kompanien an regulären K&K-Kräften nur das II. Bataillon vom Infanterieregiment 29 eingesetzt und in Peò hat es ein paar reitende Tiroler Landesschützen gegeben. In 3 ½ Jahren Krieg haben die Tiroler Standschützen hier die Hauptlast der Verteidigung der Frontlinie, vom Ortler bis zum Gardasee, getragen!
Kein einziger italienischer Soldat hat in allen 3 ½ Jahren Krieg seinen Fuß je auf Tiroler Boden gesetzt! Aber laut Äußerung von Frau „Biancofiore“ (eine in Südtirol lebende Berlusconi-Parlamentarierin) haben ja erst die Faschisten die Kultur und auch die Kanalisierung nach Tirol gebracht! Erst seit die Faschisten nach Südtirol gekommen sind, müssen wir nicht mehr ins Plumps-Clo scheißen und unsere Kinder holen sich dort keine Lungenentzündung mehr usw. – das „verkündete“ allen Ernstes die Forza Italia Parlamentarierin Biancofiore 2013 bei ihrem Wahlkampf in Südtirol!

Zur Erklärung für meine Zirler Kameraden:
Warum ich mich persönlich für das Gedenken an 1915 und der Aktion Standschützenkreuz am Tonale so engagiere liegt daran, daß mein Vater, geb. 1886, als 18jähriger Bursch an die Süd-Front mußte und nach 3 ½ Jahren im Krieg noch fast ein Jahr in italienischer Gefangenschaft war. Ich war 3 Jahre alt als mein Vater in Folge eines Verkehrsunfalles verstarb. Er konnte mir nie sagen, wie das in dem Krieg war und wo genau er eingesetzt war? Für mich ist er heute einfach an dieser Font gewesen und dieses Standschützenkreuz dort erinnert mich an ihn! Nachdem ich kein Pfarrer bin, nichts Vorbeten oder Segnen kann, bleibt mir nur der Vorschlag etwas zu singen? Für unsere Vorfahren welche hier heroben unsere Heimat verteidigt haben, singen wir die 1. Strophe der Tiroler Landeshymne. Der Hornist - unser Ernst Strickner - er stimme an!

Quellen: über Stationierung der Bataillone und Frontverlauf: Eisterer / Steininger: „Tirol und der erste Weltkrieg“ - Band 12 Heinz von Liechem: “Gebirgskrieg 1915 – 1918 – Band 1".

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