„Kreidfeuer“ vor der Burgruine Fragenstein

Die Kreidfeuer (vom lat. quiritare – um Hilfe rufen), später auch Herz-Jesu-Feuer, sind Warnfeuer, welche in Tirol seit dem Mittelalter vor dem Herannahen von Gefahren warnten. Schon in der Urkirche findet sich eine ausgeprägte Herz-Jesu-Verehrung, die später von den Jesuiten weiter verbreitet wurde.

Im Jahre 1796 wurde die Grafschaft Tirol von heranrückenden französischen Revolutionstruppen bedroht und die Tiroler Landstände, welche in Bozen zusammengetroffen waren, griffen den Vorschlag des Pfarrers Pfaundler bzw. Abt Stöckl auf und gelobten, das Land Tirol dem „Heiligsten Herzen Jesu“ anzuvertrauen, um so einen göttlichen Beistand zu erhalten. Das „Herz-Jesu-Gelöbnis“ wurde 1848 von den Tiroler Landständen erneuert und in der Folge wurden die „Herz-Jesu-Feuer“ ein Brauchtum, welches jeweils am Vorabend des 3. Sonntag nach Pfingsten in ganz Tirol gepflegt wird.

Kuriosum: Als 1920 erstmals nach dem 1. Weltkrieg die Herz-Jesu-Feuer in Südtirol wieder entzündet wurden, glaubten die italienischen Besatzer an einen Volksaufstand und versetzte darauf hin ihre Armee in Alarmbereitschaft.

Die Kreidfeuer und die Bergfeuer blieben bis ins ausgehende 19. Jahrhundert das wichtigste Nachrichtenmittel um vor Gefahren zu warnen und zum Sammeln der Landesverteidiger aufzurufen. Vor der Burgruine Fragenstein war einer der historischen Kreidplätze Tirols. Jeweils ein Stoß nasses Holz für Rauchsignale am Tag und ein Stoß trockenes Holz für ein Feuersignal in der Nacht standen bereit. Die benachbarten Kreidplätze befinden sich in Pfaffenhofen (Hörtenberg) und in Götzens (Ruine Vellenberg).

Im Jahr 1959 wurden zum letzten Mal Kreidfeuer vor der Burgruine Fragenstein von den Zirler Schützen, zur Erinnerung an die Bergisel-Schlachten vor 150 Jahren, entzündet. Die Schützenkompanie Zirl will heuer wieder an die alte Tradition anknüpfen und wird am Samstag Abend vor Herz-Jesu, zeitgleich mit den Bergfeuern, vor der Burgruine Fragenstein ein großes Kreidfeuer entzünden.
Neuzeitliche Technik macht es möglich, daß auch der südliche Turm der Ruine vom Dorf aus gut zu sehen sein wird, da er mittels Lasertechnik „zum brennen“ gebracht wird.

Die Zirler Schützen freuen sich, wieder an Jahrhunderte alte Traditionen anknüpfen zu können!

Achtung! Diese Seite verwendet Cookies und ähnliche Technologien.

Wenn Sie Ihre Browser-Einstellung nicht anpassen, stimmen Sie dem zu. mehr Informationen

Akzeptieren