1848 - Erste Erwähnung einer Kompaniefahne

Die erste urkundliche Erwähnung einer eigenen Kompaniefahne stammt aus dem Jahre 1848.

Die Schützenkompanie Zirl rückte 1848 mit einer eigenen Fahne unter Hauptmann Paul Gastl, zur Verteidigung der Heimat in die Gegend des Stilfser Joches aus. Wie diese Fahne ausgesehen hat, wann sie geweiht wurde und wer die Fahnenpaten waren, ist leider unbekannt. Diese Fahne ist beim großen Dorfbrand verbrannt.

1855 - Weihe der ersten bekannten Kompaniefahne

Am 15. August wird eine neue Fahne der Schützenkompanie geweiht. Die Kompanie ist dazu über 100 Mann stark ausgerückt. Das weiß/grüne Fahnenblatt zeigt den kaiserlichen Doppel-Adler und ein Bildnis der „Maria vom Guten Rat“. Unter dem Bild ist die Bitte an die Himmelskönigin „Steh’ im Streite uns zur Seite“ angebracht. Mit dieser Fahne rückte die Schützenkompanie 1859, nach der Herz-Jesu-Prozession zur Verteidigung des Landes in den Vintschgau ab.
Diese Fahne ist auf dem Kompaniefoto des Jahres 1899 zu sehen. Sie wurde leider beim Dorfbrand des Jahres 1908 ebenfalls ein Raub der Flammen.

1906 - Weihe einer neuen Kompaniefahne

Am 21. Juni 1906 wird eine neue Kompaniefahne, gefertigt von Maria Geiger (Staßler) aus Eigenhofen, geweiht. Fahnenpaten sind Martin Kleisl (Pichler Martl) und Aloisia Niederkircher (Post Luisa). Das Fahnenblatt zeigt jetzt den Tiroler Adler (mit falscher Blickrichtung) und auf der Rückseite wieder das Bild der "Muttergottes vom Guten Rath" und dem gleichen Text wie die Kompaniefahne von 1855. Das Fahnenblatt ist grün/weiß.

Auf dem zweiteiligen Fahnenband steht der Text: „Für Gott, Kaiser und Vaterland“ sowie, Reservistenkompanie und Standschützen Zirl. Beim Kompaniefoto des Jahres 1910 ist sie erstmals zu sehen.

Beim Dorfbrand am 21. Juni 1908 (Herz-Jesu-Sonntag) brennen in Zirl 164 Häuser ab. Die gesamte Kompanieausrüstung, sowie die beiden Fahnen aus den Jahren 1848 und 1855 werden dabei vernichtet. Die auf den Tag genau vor zwei Jahren geweihte Kompaniefahne bleibt bei dieser Katastrophe unversehrt. Zu dieser Zeit war es üblich, dass die Schützenkompanie ihre Fahne nach der Prozession in der Pfarrkirche abgestellt hat. Dazu waren an den Kirchenbänken eigene Fahnenhalter montiert. Heute werden in solchen Halterungen noch der sogenannte Himmel, unter dem das Allerheiligste getragen wird und die großen Kirchenfahnen dort abgestellt.

Bei der „Jahrhundertfeier“ der Kämpfe von 1809 in Innsbruck rückte die Schützenkompanie gemeinsam mit der Musikkapelle beim großen Festumzug in Innsbruck mit dieser Fahne aus.

1912 beim „Eucharistischen Kongress“ in Wien rückten Zirler Bürger (in Musiktracht) mit der Kompaniefahne aus. Eine Fahrt nach Wien, vier Jahre nach dem verheerenden Dorfbrand, war verständlicherweise nur wenigen Zirlern möglich.

1926 wird diese Fahne erstmals restauriert. Dabei wird Erde aus den verschiedenen Schlachtfeldern des I. Weltkrieges, an denen Zirler gekämpft haben, in das Fahnenblatt eingenäht. Der Initiator und Sammler dieser „Bluterde“ ist der Zirler Militärkaplan Josef Seelos (Boten Seppl), der diese Orte besucht hat und diese geschichtsträchtige Erde gesammelt hat.

Am 5. September desselben Jahres wird auch eine Trauerschleife mit den Namen aller im I. Weltkrieg gefallenen Zirler bei der Kriegergedächtnisfeier geweiht. Die Paten dieser Schleife sind: Maria Reinhart (Nocker Midl) und das Ehrenmitglied der Schützenkompanie, Ignaz Plattner (Preschger Naz). Wer dieses Fahnenband angefertigt hat ist leider unbekannt. Vermutlich ist es ebenfalls von Maria Geiger (Staßler) aus Eigenhofen gefertigt worden.

1933 rückt eine Zirler Schützenabordnung mit dieser Schützenfahne beim Katholikentag in Wien aus.

Am 7. Jänner 1940 erlebt die Kompaniefahne wohl ihren schwärzesten Tag. Die Schützenkompanie Zirl wird per NS-Dekret offiziell aufgelöst. Die Fahne, die Schützentrachten, die Gewehre und die Kompaniekassa müssen an den Reichskriegsbund – Kameradschaft Zirl übergeben werden. Glücklicherweise überstehen die Kompaniefahne und das Fahnenband mit den Namen der Gefallenen des I. Weltkrieges das Kriegsende unversehrt.

1953 wird die Kompaniefahne einer längst fälligen weiteren Renovierung unterzogen. Da eine Renovierung des Fahnenblattes, nach Ansicht der ausführenden Firma (Dengl in Innsbruck) nicht mehr möglich ist, werden die beiden Bilder „Tiroler Adler“ und die „Mutter Gottes vom Guten Rat“ von der alten Fahne abgenommen und das Fahnenblatt neu angefertigt. Fahnenpatin ist die Altmarketenderin Maria Plattner – Löwenwirtin. Die im Jahre 1926 eingenähte sogenannte „Bluterde“ des I. Weltkrieges wird dabei in ein eigenes Fahnenband gegeben um die Fahne zu schonen. Die Einweihung erfolgt im Rahmen eines Schützenfestes. Zur Fahnenrenovierung wird auch eine Haussammlung durchgeführt.

1955 wird ein Fahnenband mit den Namen der Gefallenen Zirler des II. Weltkrieges von Johanna Schnaiter (Glatzn Hanni) angefertigt und geweiht.

In den Jahren 1987-1989 wird die Fahne einer weiteren Renovierung unterzogen (Fa. Illek in Wien). Das Fahnenband wird von den Schwestern des Kloster Wernberg in Kärnten renoviert. Die Fahnenbänder mit den Namen der Gefallenen Zirler des I. und II. Weltkrieges und die Fähnrichschärpe renovierte Frau Marina Kulajta (Hanseler Marina) aus Zirl. Ab dieser Renovierung ist die Fahne und die Fahnenbänder nur noch zu ganz besonderen Anlässen in Verwendung.

Neben den bereits erwähnten Ausrückungen dieser Kompaniefahne sind noch als Besonderheit zu erwähnen:

1934 – „125 Jahre Erhebung Tirols“ Festumzug in Innsbruck.
1955 – Begräbnis von Erzherzog Eugen in Innsbruck.
1959 – „150 Jahre Erhebung Tirols“ Festumzug in Innsbruck.
1983 – Erster Besuch Ihrer Majestät Kaiserin Zita, nach ihrer Verbannung aus Österreich, als Ehrenkompanie in Innsbruck.
1984 – „175 Jahre Erhebung Tirols“ Festumzug in Innsbruck
1987 – "100. Geburtstag von Kaiser Karl I." in Klosterneuburg
1989 – Begräbnis Ihrer Majestät, Kaiserin Zita, in Wien als Ehrenkompanie.
1995 – Einweihung der Kaiserschützengedenktafel auf der Vesurascharte (Marmolata) auf beinahe 3000 m Seehöhe, erweisen die Zirler Schützen mit dieser Kompaniefahne den dort gefallenen Soldaten die Ehre.

Ab dem Jahr 2003 wird die Fahne samt Fahnenband und den beiden Fahnenbändern mit den Namen der gefallenen Zirler beider Weltkriege in einer Glasvitrine im Schützenheim aufbewahrt.

Beim Begräbnis von Althauptmann Rudolf Kapferer, im Jahre 2005, rückte die Schützenkompanie mit dieser Fahne endgültig das letzte Mal aus. Ab nun ist sie ein für die Schützenkompanie bedeutendes "Museumsstück". In diesen hundert Jahren hat sie die bewegte Geschichte unserer Heimat, von der Monarchie bis zum vereinten Europa und zwei Weltkriege erlebt.

1984 - Weihe der neuen Kompaniefahne

Im Tiroler Gedenkjahr „175 Jahre Erhebung Tirols“ wird im Rahmen des Hörtenberger-Bataillons-Schützenfestes vom Bezirkskuraten, Dekan Franz Saurer, diese Kompaniefahne geweiht. Fahnenpatin ist Anika Dornauer, die Tochter des verdienstvollen Fähnrichs, Hans Dornauer.

Die Fahne wird nach den kostenlosen Entwürfen von Mag. Pia Kapferer von der Firma Ridia in Oberösterreich gefertigt. Auf der Vorderseite sind auf grün/weiß/grünem Fahnenblatt der Tiroler Adler und das Zirler Wappen, sowie der Schriftzug „Schützenkompanie Zirl 1984“ abgebildet. Die Rückseite ziert der „Zirler Sebastian“ (Schutzpatron der Schützen) und der Schriftzug – „Heiliger Sebastian bitte für uns“.

Die Kosten der Fahne übernimmt in dankenswerter Weise Herr Kommerzialrat Karl Reinhart, der Besitzer des Zirler Weinhofes. Wegen dieser Fahnenspende kommt es zu Meinungsverschiedenheiten, die mit dem Rücktritt des Hauptmannes ihren Höhepunkt finden.

Eine der bedeutendsten Ausrückungen erlebte die Fahne bereits nach wenigen Monaten. Bei der Hochzeit von Erzherzog Lorenz von Habsburg und Prinzessin Astrid von Belgien, im September 1984 in Brüssel, ist die Schützenkompanie mit dieser Fahne als Ehrenkompanie, gemeinsam mit der Musikkapelle und den Zirler Kaiserjägern am Grande Place angetreten.

Unsere Kompaniefahne muss den englischen Autor des Buches „Eyewitness Guides: Flag“ bei dieser Hochzeitsparade so beeindruckt haben, dass er ein Bild unsere Kompaniefahne darin veröffentlichte.

Weitere bedeutende Ausrückungen der Kompaniefahne sind:

1984 – Beim großen Festumzug in Innsbruck trägt die Kompanie beide Kompaniefahnen mit.
1985 – Ehrenkompanie beim Oberländer Regimentsfest in Lermoos
1987 – „500 Jahre Schlacht bei Calliano“ Fest des Welschtiroler Schützenbundes in Calliano
1988 – Ehrenkompanie beim Schützenfest in Mezzocorona
1991 – Vorarlberger - Landesschützenfest in Frastanz
1992 – „70 Jahre Paneuropa Bewegung“ als Ehrenkompanie in Wien. Bei diesem Festakt schritt der erst kurz vorher gewählte Bundespräsident Dr. Thomas Klestil erstmals die Front einer Tiroler Schützenkompanie ab.
1992 – 80. Geburtstag von Dr. Otto v. Habsburg in Innsbruck
1996 – Ausmusterung des Jahrganges „Wellington“ an der Theresianischen Militärakademie in Wiener-Neustadt als Ehrenkompanie
2001 – Goldene Hochzeit von Dr. Otto und Regina v. Habsburg in Nancy in Frankreich
2001 – Taufe der Tochter (Sophia Maria) von Erzherzog Georg v. Habsburg und seiner Gattin Elika in Budapest.
2002 – 90. Geburtstag der kaiserlichen Hoheit, Dr. Otto v. Habsburg in München
2004 – Seligsprechung von Kaiser Karl I. vor dem Petersdom in Rom
2005 – Reliquienbeisetzung vom seligen Kaiser Karl I. und vom seligen Pfarrer Otto Neururer am Zirler Kalvarienberg.
2007 - 95. Geburtstag seiner k.u.k. Hoheit Dr. Otto von Habsburg in München.

Im Jahr 2004 wurde die Kompaniefahne von Frau Marina Kulajta (Hanseler Marina) einer gründlichen Renovierung unterzogen. In dieser Zeit (April und Mai) rückt die Schützenkompanie zu den Begräbnissen und zum Fest in Eigenhofen mit der Kriegervereinsfahne aus. Diese Fahne wurde der Schützenkompanie in kameradschaftlicher Weise von den Zirler Kaiserjägern zur Verfügung gestellt.

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