Die Zirler Schützenchronik behandelt Ereignisse, welche die Geschichte des Landes Tirol geformt und das Tiroler Schützenwesen geprägt haben. Dabei werden den Aufgeboten des Landes und des Gerichtsbezirkes Hörtenberg / Telfs ein besonderes Augenmerk geschenkt, wobei im speziellen auf die jeweiligen geschichtlichen Ereignisse in unserem Heimatort Zirl und auf deren Schützenkompanie eingegangen wird.

Raeter und Römer

Schon die Illyrer, die in grauer Vorzeit die Alpengebiete bewohnten und die ihnen nachfolgenden Raeter waren wehrhafte Menschen. Sie leisteten den Römern, die um 15 v. Chr. ins Inntal und weiter nach Norden vorstießen, hartnäckig Widerstand. Der Ruf ihrer militärischen Tüchtigkeit wurde ihnen von den Römern bestätigt. Die Römer hatten vermutlich deshalb Rätien nie ganz unter ihre Kontrolle gebracht. Sie beschränkten ihre Erschließung hauptsächlich auf Kastelle und Militärstationen um die Militärstraßen zu sichern. Die Anlage von Gutshöfen und die Veteranensiedlungen blieben im Alpenraum eher bescheiden. Der Hauptaugenmerk der Römer lag im Alpenvorland. Das war auch der Grund, weshalb die Romanisierung in den Alpen langsamer als an Donau und Rhein vorangekommen ist und sich die Sprachen beider Völker zum „Rätoromanischen“ mischte.

Teriolis Das Römerkastell „Statio Teriolis“ in Martinsbühel war neben dem Militärlager „Veldidena“ in Wilten einer der wenigen römischen Stützpunkte im Inntal. Um 400 n. Chr. ist die „Statio Teriolis“ Sitz zweier ranghoher Offiziere. Der Befehlshaber eines Sonderkommandos „Tribunus gentis per Raetie deputate“ und des Präfekten der III. Italischen Legion „Praefectus legionis III. Italicae transrectioni specierum deputatae“ werden dort erwähnt. Auch eine frühchristliche Kirche, aus dem 5. Jahrhundert ist in Teriolis belegt. Dies zeigt, dass bereits mit den Römern das Christentum in unser Land gekommen ist.

Aus dem römischen „Teriolis“ hat sich durch Lautverschiebung das bajuwarische Cyreolum (799), Cirala (977) und Cirla (1050) der heutige Ortsname Zirl entwickelt.

Im Zuge der Völkerwanderung ist das römische Kastell „Teriolis“ zerstört worden.

Völkerwanderung

In der Zeit der Völkerwanderung, die mit dem Einfall der Hunnen um 375 n. Chr. begann, sind geschichtliche Aufzeichnungen sehr spärlich. Dies ist umso bedauerlicher, sind doch zwischen dem 5. und dem 7. Jahrhundert n. Chr. bedeutende Veränderungen für die Geschichte unseres Landes erfolgt. An Stelle der römischen Kohorten zogen nun Germanenfürsten mit ihren Kriegern durch das Land Richtung Süden. Dabei musste die Bevölkerung sehr viel Leid ertragen, da vermutlich nicht nur Teriolis zerstört wurde.

In diesen anhaltenden Wirren ging die staatliche römische Autorität unter. Die Ostgoten unter Theoderich (439 - 526), der in den deutschen Heldensagen als Dietrich von Bern bekannt ist, übernahmen die Herrschaft in unserem Land. Die Stadt Verona wird von den Ostgoten als Bern bezeichnet.

Die germanischen Langobarden dringen in unser Land ein. Die Wehrbereitschaft zur Verteidigung ihres Machtbereiches ausgenützt und durch Wehrbauten und dem Aufbau eines Milizsystems gezielt gefördert.
Der Ostgotenkönig Witigis trat 536 große Teile Raetiens an die Franken ab.

Bayerische Herzöge

Im letzten Abschnitt der germanischen Völkerwanderung nahmen die Baiwaren (Bajuwaren), und Alemannen das Land im Gebirge in Besitz. Wie alle Germanen besaßen auch sie im Verhältnis zu ihrer Volkszahl eine beträchtliche Wehrkraft, weil sie alle Bevölkerungsschichten in die Heeresgemeinschaft eingebunden haben. Die Verteidigung des Gebietes, das die Menschen zur bäuerlichen Bewirtschaftung und damit zur Fortpflanzung ihrer Sippen brauchten, war Sinn und Ziel dieser steten Wehrbereitschaft.

Wenn in Tirol, durch die ganze spätere Geschichte, der Bauernstand wehrhaft und in einem gewissen Sinne die allgemeine Wehrpflicht wirksam geblieben ist, so geht das zu einem guten Teil auf diese Umstände der germanischen Völkerwanderung zurück.

Die bereits unter den Römern einsetzende Christianisierung unseres Landes wird von den bayerischen Herzögen fortgesetzt. 763 wird in Scharnitz bereits ein Kloster gegründet. Die von den bayerischen Herzögen getätigten Klostergründungen haben die Geschichte unseres Landes bis heute geprägt.

799 – Erste urkundliche Erwähnung von Zirl

Der „Edle von Gayo“, der zum bayerischen Adelsgeschlecht der „Huosi“ gehörte, schenkt seinen Besitz im „Poapintal“ (Oberinntal) zu Cyreolu dem Kloster Schlehdorf in Bayern.

Der Frankenkönig, „Karl der Große“ (768-814), der alle germanischen Herzöge unterwarf, teilte seinen Besitz in Grafschaften und Marktgrafschaften, die seinem Machtbereich im weltlichen und kirchlichen unterstanden. Die von ihm eingesetzten Grafen und Bischöfe waren verpflichtet, den Kaiser bei militärischen Unternehmungen zu unterstützen und das Land in seinem Sinne zu verwalten.

Deshalb wird ab dem 8. Jahrhundert das Heerwesen immer mehr vom Ritterstand geprägt. Diese Ritter waren im heutigen Sinne Berufssoldaten, die vor allem die wichtigen Verkehrswege und Alpenübergänge zu sichern hatten. Trotz diesen „Berufskriegern“, die sich durch Turniere ständig in der Kampftechnik übten, wird auf das Aufgebot der freien Bauern, selbst zur Hochblüte des Ritterstandes vom 11. bis ins 13. Jahrhundert, nie ganz verzichtet. Diese Aufgebote der freien Bauern wurden bereits damals hauptsächlich zur Verteidigung der Heimat eingesetzt.

Der deutsche König „Otto der Große“ (936-973) hat bei der Lehensvergabe die schmerzliche Erfahrung gemacht, dass die geistlichen Lehensträger verlässlicher waren als selbst seine nächsten Verwandten. Die Vergabe der Lehen an Bischöfe und Klöster hatte zusätzlich noch den Vorteil, dass das Lehen dadurch nicht vererbt werden konnte. Da diese Bischöfe vom ihm bestellt wurden, konnte er natürlich die ihm nahestehenden Bischöfe bevorzugen und war die Sorge des Erbrechtes los.

Das „Lehen“ war ein vom deutschen König, zur Nutzung verliehener Besitz, und der „Lehensträger“ waren die Pächter, die das „Lehen“ verwalteten.

Damit waren die Bischöfe von Trient und Brixen neben den kirchlichen auch die weltlichen Herren im Lande. Sie hatten unter anderem dafür zu sorgen, dass die deutschen Könige, die zur Krönung zu römisch-deutschen Kaisern nach Rom zogen, gefahrlos durch das „Land im Gebirge“, wie Tirol damals genannt wurde, ziehen konnten. Die Geistlichkeit war aber durch diese Lehen von der Gunst des Kaisers abhängig. Durch Grundschenkungen und der Verleihung verschiedener königlicher Rechte (Regalien) wurde die Machtfülle aber auch die Abhängigkeit der Bischöfe gefördert.

Papst Gregor VII. (1073-1085), wiedersetzt sich dieser weltlichen Einmischung in kirchenrechtliche Belange. Es gab in der Kirche, eine vom Kloster Cluny bei Lyon ausgehende Bewegung, die mit dieser Vermischung von weltlichen und geistlicher Gewalt ganz und gar nicht einverstanden war. Es kommt dadurch zu langen Auseinandersetzungen zwischen den Päpsten und den deutschen Königen.

Die Grafen in Tirol waren es, hauptsächlich die Grafen von Eppan, Tirol und Andechs, diese nützten Meinungsverschiedenheiten zwischen Papst und Kaiser geschickt aus. Das Streben all dieser Adelsgeschlechter war darauf ausgerichtet, den Bischöfen, die diese Grafen als weltliche Verwalter eingesetzt hatten, möglichst viel von ihrer weltlichen Macht zu nehmen um sich dadurch als ebenbürtige Lehenpartner behaupten zu können.

Fragenstein

1227 wird erstmals die Burg Fragenstein und das Geschlecht des Ritters „Fridericus von Fragenstein“ erwähnt.

1229 stoßen wir erstmals, im „Landfrieden“, auf den Hinweis, dass alle Grundbesitzer, die ein bestimmtes Einkommen hatten, zur Landesverteidigung verpflichtet waren.

Dieser Vertrag, der zwischen dem Bischof Heinrich von Brixen und Graf Albert von Tirol, geschlossen wurde, ist jeder Freie der mehr als 15 Mark Einkünfte aus seinem Grundbesitz hat, verpflichtet ist, sich ein gutes Streitross zu halten, widrigenfalls er bestraft wurde.

1248 - Dieser weitblickende Graf, Albert von Tirol, kann als Stammvater des Landes betrachtet werden, da er erstmals Teile des Inntales mit seinen Besitzungen an der Etsch in diesem Jahr vereinte. In diesem Vertrag scheint auch erstmals, an Stelle des „Land im Gebirge“, der Name „Dominium comitis Tyrolis“, also „Herrschaft des Grafen von Tirol“ auf. Das von ihm geschaffene Territorium überdauerte aber seinen Tod nicht. Das Erbe wurde unter seinen beiden Töchtern wieder aufgeteilt.

1263 - Erst „Meinhard II. von Görz“, einer der tüchtigsten Fürsten seiner Zeit, gelang dieser Zusammenschluß endgültig. Erst erzwang er vom Bischof von Trient die Vereinigung der Lehen der Tiroler- und der Eppaner Grafen. Durch einen Vertrag und durch die entschlossene Unterstützung des neugewählten deutschen Königs, Rudolf von Habsburg, gegen den Böhmenkönig Ottokar, sichert er sich dann auch Gebiete im Inntal. Die Burgen Fragenstein, Schlossberg bei Seefeld und Thaur waren in diesem Vertrag mit „Gebhard von Hirschberg“, ausgenommen, da dieser in Thauer seinen Sitz hatte. Durch seine Ehe mit der Witwe des Hohenstaufenkaisers „Konradin IV.“ erbte Meinhard II. auch Teile des Oberlandes und im Außerfern. Weiters erweiterte er seinen Besitz auch im Unterland durch Verträge.

Wichtiger für die weitere Geschichte des Landes war, dass er die erbliche Schutzgewalt über die Hochstifte Brixen und Trient dazu benützte, die Bischöfe, die eigentlich seine Lehensherren waren zu seine Untertanen zu machen. Dabei war ihm jedes Mittel, selbst brutale Gewalt, recht. Er wurde deshalb auch der „Schmied von Tirol“ genannt, der das Gesetz mit Amboss und Hammer zu seinen Gunsten formte.

1282 - Das gute Verhältnis mit dem deutschen König wurde noch enger geknüpft, als Rudolfs Sohn, Albrecht, Meinhards Tochter, Elisabeth, heiratete. Im Jahre 1282 bestätigte Rudolf von Habsburg urkundlich die Selbständigkeit Tirols und erhob ihn in den Reichsfürstenrang. Damit war Tirol zu einer „Gefürstete Grafschaft“ erhoben. Vergeblich bemühte sich der Herzog von Bayern, die ehemalige Abhängigkeit Tirols von Bayern einzufordern. Für die spätere Vereinigung Tirols mit Österreich waren damit schon die ersten Weichen gestellt.

1285 – In einer Stiftungsurkunde scheint erstmals das Wappen der Ritter von Fragensteiner, im Stift Stams als Siegel auf. Es zeigt einen Ritterhelm mit zwei gekreuzten Schafscheren als Helmzier. Aus diesem Wappen ist die Schafschere des heutigen Gemeindewappens von Zirl entlehnt.

Wenn die Tiroler, Meinhard II. den ersten Tiroler Landesfürsten, als Gesetzgeber und Befreier feierten, so hatten sie damit durchaus recht. Durch die Einführung der landesfürstlichen Rechtssprechung nahm er den adeligen Grundherren die Vormachtstellung gegenüber ihren Untertanen bei Gericht. Diese Entscheidung hat wesentlich zur Entstehung des freien Tiroler Bauern und damit zur Sonderentwicklung Tirols beigetragen.

1286 wird im Zuge dieser Gerichtsreform Meinhard II. das Gericht der Fragensteiner in Zirl aufgelassen und dem Gericht Hörtenberg zugeteilt.

Da Meinhards Sohn, Heinrich, keine männlichen Nachkommen hatte, setzte zwischen den bayerischen Wittelsbachern und den österreichischen Habsburgern, die beide mit ihm verwandt waren, ein zähes Ringen um Tirol ein. Zur Überraschung der Bayern und der Habsburger wurde die Tochter Heinrichs, Margarethe „Maultasch“, aber mit 12 Jahren bereits mit dem erst 9-jährigen Luxenburger Fürsten Johann verheiratet. Die auf diese Hochzeit folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Bayern und Habsburgern konnten von den Tirolern erfolgreich abgewehrt werden. Die Herrschaft der Luxenburger, die zu dieser Zeit auch Böhmen regierten, war für Tirol nicht glücklich. Die Kinderlosigkeit und die Behauptung Margareth's, dass die Ehe nie vollzogen wurde, genügte dem Kaiser Ludwig „der Bayer“, ihr seinen Sohn Ludwig als Ehemann anzubieten.

Diese zweite Ehe Margareth's, mit seinem Sohn, dem Marktgrafen Ludwig von Brandenburg, erkaufte sich der Kaiser durch Zugeständnisse bei der Mitsprache in der Regierung durch den Tiroler Adel. Diese Urkunde ist als der „Große Freiheitsbrief“ in die Geschichte Tirols eingegangen. Der Kaiser, „Heinrich der Bayer“ riskierte durch diese Heirat den Kirchenbann durch den Papst und leitete so seinen Niedergang ein. Seine Gegner waren erfolgreich, sie wählten Karl IV. von Luxenburg zum deutschen König.

Karl IV. von Luxenburg, drang in Tirol ein, brannte 1347 Bozen und Meran nieder und belagerte aber das Fürstenpaar auf Schloss Tirol vergeblich. Die Zeit war aber auch von anderen Katastrophen geprägt. 1384 richtete ein Erdbeben große Schäden an. Vier Jahre später verbreitete der „Schwarze Tod“, die Pest, Angst und Schrecken im ganzen Land.

Im Ausgleich mit den bayerischen Wittelsbachern, wurde von Karl IV., dem Mann Margareth's, Ludwig der Brandenburger, die Herrschaft über Tirol und Oberbayern zugesprochen. Er musste dafür seinen Brüdern die Marktgrafschaft Brandenburg und Niederbayern überlassen. Durch die Geburt eines Sohnes, Meinhard III. schien auch die Erbfolge und damit die Wiedereingliederung Tirols, in das bayerische Herzogtum der Wittelsbacher geregelt.

Ludwigs und Margarethas einziger Sohn, Meinhard III., heiratete Margarethe von Österreich, die Tochter Herzog Albrechts II. von Habsburg. Bei dieser Vermählung im Jahre 1359, vermachte die Landesfürstin, Margarthe „Maultasch“, vermutlich ohne Wissen ihres Gatten, die Grafschaft Tirol den Herzögen von Österreich für den Fall, dass sie selbst, ihr Mann und auch ihr Sohn ohne Erben sterben sollte. Herzog Ludwig, in Tirol immer noch „der Brandenburger“ genannt, verstirbt 1361 im Alter von 47 Jahren plötzlich.

1363 stirb auch Margareth's Sohn. Nach einer Woche schwieriger Verhandlungen, zwischen Rudolf „der Stifter“ und den Tiroler Räte, bei der die Urkunde, die anlässlich der Hochzeit ihres Sohnes unterzeichnet wurde, eine wesentliche Rolle spielte, war der Vertrag unter Dach und Fach. Maßgeblich dürfte für die Tiroler auch gewesen sein, dass Österreich bereits aus mehreren, nach innen selbständigen Ländern bestand und auch die Stände des von Habsburgern 1335 erworbenen Herzogtums Kärnten mit ihrem neuen Landesfürsten zufrieden war.

1363dankt die Tiroler Landesfürstin, Margarethe „Maultasch“ ab und Tirol huldigt dem Habsburger Herzog, Rudolf IV., der den Beinamen „der Stifter“ trug, obwohl auch die bayerischen Wittelsbacher, die Brandenburger und die Luxenburger Erbansprüche geltend machten.

Die bayerischen Wittelsbacher bekämpften diese Urkunde mit allen Mitteln. Die Herzöge Stephan und Albrecht dringen 1363 mehrmals mit Waffengewalt in Tirol ein und versuchen vergebens das Land in Besitz zu nehmen. Im Sommer dieses Jahres dringen sie brandschatzend auch in Zirl ein. Erst im Frieden von Schärding, im Jahre 1369, mussten die bayerischen Herzöge zur Kenntnis nehmen, dass Tirol österreichisch geworden ist. Dieser, aus Sicht der Bayern ungerechtfertigte Anschluss Tirols an Österreich hat jedoch im Laufe der Geschichte ständig zu Feindseligkeiten zwischen Bayern und Österreich geführt. Für das Land Tirol beginnt jedoch eine neue Epoche.

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